Diese Liste führt die bekannten hethitischen Felsreliefs und Felsinschriften in der Türkei auf. Sie stammen einerseits aus der Spätzeit des hethitischen Großreichs zwischen dem 14. und dem 12. Jahrhundert v. Chr., andererseits aus der Zeit der späthethitischen Königreiche und Stadtstaaten, die nach dem Untergang des Großreichs in Anatolien und Nordsyrien entstanden. Es handelt sich zum Teil um bildliche Reliefs, die in den Felsen gemeißelt sind und oft Beischriften enthalten, teilweise um reine Inschriften. Die Texte sind in luwischen Hieroglyphen ausgeführt. Die Liste beschränkt sich auf Werke, die in den anstehenden Fels gearbeitet sind, Stelen oder Orthostaten sind nicht aufgenommen.
Entstehung und Deutung
Die Bildwerke tauchen ab dem frühen 14. oder 13. Jahrhundert v. Chr. auf. Bei drei Reliefs (Manisa, Hanyeri, İmamkullu) erscheint ein Prinz Ku(wa)lanamuwa, ein Name, der auch in einem Keilschrifttext aus der Zeit von Muršili II. vorkommt. Sollten diese Personen identisch sein, wären die drei Reliefs mit einer Entstehung im späten 14. Jahrhundert die ältesten, ansonsten kommt dieser Rang der Darstellung Muwatallis II. am Sirkeli Höyük zu. In ihrer Ikonografie ähneln sie zu Beginn größtenteils den Königssiegeln dieser Epoche, das heißt sie enthalten hauptsächlich ein Bild des Herrschers und eine Beischrift mit Namen, Abstammung und Titulatur. Gelegentlich kommen Götterbilder dazu, im Fall von Manisa steht das Bild des Gottes allein. Die Abgebildeten beziehungsweise inschriftlich erwähnten sind meist Großkönige des Reiches, aber auch Prinzen (Hanyeri, İmamkullu, Manisa, Malkaya, Suratkaya), Könige von Vasallenstaaten (Karabel, Hatip) oder hohe Beamte (Taşçı). Nach einer abweichenden Forschermeinung sind bei den in Kriegertracht abgebildeten Personen zumindest teilweise nicht die Herrscher dargestellt, sondern ein Gott, vielleicht in apotropäischer, also unheilabwehrender Funktion. Allgemein wird angenommen, dass die Darstellungen den Machtanspruch des Herrschers über die jeweilige Landschaft dokumentieren sollten. Bei wenigen (Karabel, Hatip, Suratkaya) kann davon ausgegangen werden, dass es sich um Grenzmarkierungen handelt, allgemein ist eine derartige Aussage problematisch, da die Grenzen der hethitischen Regionen und ihrer Nachbarstaaten nur sehr ungenau bekannt sind. Gelegentlich ist darüber hinaus eine kultische Bedeutung des Ortes anzunehmen.
Erst gegen Ende der Großreichszeit, unter dem letzten Großkönig Šuppiluliuma II., entstand die erste große Inschrift (Nişantaş) mit einer Beschreibung von Taten seines Vaters Tudḫaliya IV. Dieser hatte selbst schon einen Bericht über einen Feldzug in Lykien in einer Inschrift an dem Wasserbecken in Yalburt hinterlassen. Ähnlich umfangreiche Inschriften, gelegentlich in Verbindung mit einem Bild, entstanden in der folgenden Zeit der Nachfolgestaaten des Hethiterreiches. Lange Zeit wurden die von König Hartapu, der sich als Großkönig bezeichnete, stammenden Inschriften (Karadağ, Kızıldağ, Burunkaya) als die ältesten angesehen. Nach der Entdeckung der Stele von Türkmen-Karahöyük wurde dieser jedoch ins 8. Jahrhundert v. Chr. datiert. Demnach sind wahrscheinlich die im späten 12. Jahrhundert v. Chr. entstandenen von Runtija von Melid (Gürün, Kötükale) die frühesten Felsinschriften. Zwischen dem 10 und dem 8. Jahrhundert v. Chr. schließlich entstand noch eine Reihe von Inschriften (Bulgarmaden, Hisarçık, Karaburna, Malpınar, Şırzı, Suvasa, Tanır, Topada) und Bildreliefs (Gökbez, İvriz, Karasu). Bei den Texten handelt es sich meist um Berichte über militärische, aber auch bauliche oder andere Aktionen der jeweiligen Regenten. Auch diese Werke dienten, ebenso wie die des Großreichs, sicherlich repräsentativen Zwecken. Ob die Zunahme der schriftlichen Werke darauf hindeuten könnte, dass die Fähigkeit des Lesens der Hieroglyphentexte im Volk zugenommen hatte, kann vorläufig nicht geklärt werden.
Reliefs und Inschriften der hethitischen Großreichszeit
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* Datierung in Großreichszeit unsicher
** Genaue Lage nicht bekannt, die Koordinaten beziehen sich auf den namengebenden Ort.
*** Koordinaten nach der Beschreibung bei Peschlow
Reliefs und Inschriften der späthethitischen Staaten
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- * Koordinaten nach der Zeichnung bei Ehringhaus
- ** Genaue Lage nicht bekannt, die Koordinaten beziehen sich auf den namengebenden Ort.
Literatur
- Kay Kohlmeyer: Felsbilder der hethitischen Großreichszeit. In: Acta Praehistorica et Archaeologica, Band 15, 1983, S. 7–154 (Dissertation, Berlin, Freie Universität, 1981) ISSN 0341-1184.
- Eberhard P. Rossner: Die hethitischen Felsreliefs in der Türkei. Ein archäologischer Führer (= Felsdenkmäler in der Türkei. Band 1). 2., erweiterte Auflage. Rossner, München 1988, ISBN 3-924390-02-9.
- John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Band 1: Inscriptions of the Iron Age (= Studies in Indo-European Language and Culture. Neue Folge Band 8). 3 Teilbände. de Gruyter, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-11-010864-X.
- Horst Ehringhaus: Götter, Herrscher, Inschriften. Die Felsreliefs der hethitischen Großreichszeit in der Türkei. von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3469-9.
- Jürgen Seeher: Der Landschaft sein Siegel aufdrücken – hethitische Felsbilder und Hieroglypheninschriften als Ausdruck des herrscherlichen Macht- und Territorialanspruchs. In: Altorientalische Forschungen, Band 36, 2009, S. 119–139, doi:10.1524/aofo.2009.0006.
- Horst Ehringhaus: Das Ende, das ein Anfang war. Felsreliefs und Felsinschriften der luwischen Staaten Kleinasiens vom 12. bis 8./7. Jahrhundert v. Chr. Unter Verwendung epigrafischer Texte und historischer Angaben von Frank Starke. Nünnerich-Asmus, Mainz 2014, ISBN 978-3-943904-67-3.
- John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Volume III: Inscriptions of the Hittite Empire and New Inscriptions of the Iron Age. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2024, ISBN 978-3-11-077039-1
Weblinks
- Tayfun Bilgin (Verantw.): Hittitemonuments.com (englisch, türkisch).
Einzelnachweise




