Călin Georgescu (* 26. März 1962 in Bukarest) ist ein rechtsextremer rumänischer Politiker. Er erhielt als parteiloser Kandidat im ersten Wahlgang der später annullierten Präsidentschaftswahl in Rumänien 2024 eine Mehrheit der Stimmen.

Lebensweg

Herkunft und Ausbildung

Georgescu wurde als Sohn des Agraringenieurs Scarlat G. und dessen Ehefrau Anetei, geb. Popescu, einer Geodäsie-Ingenieurin, geboren. Er schloss sein Studium 1986 am Agrarinstitut „Nicolae Bălcescu“ in Bukarest ab und erwarb 1999 den Titel eines Doktors der Pedologie an der nunmehrigen Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin. Weitere Erfahrungen sammelte er in den USA und im Vereinigten Königreich, wo er einen Kurs für „Umweltpolitik, Entwicklungsstrategien und Management für Nationalparks“ belegte. 2007 schloss er das Postgraduiertenprogramm „Nationale Sicherheit und Verteidigung – Geopolitik und Geostrategie“ der Nationalen Verteidigungsuniversität Carol I ab.

Georgescu lebte jahrelang in Niederösterreich.

Berufliche Karriere

Georgescu arbeitete im Umweltministerium und im Außenministerium in mehreren Regierungen ab den 1990er Jahren und wurde mehrmals für das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen, zuletzt 2021 von der AUR. 2010 bis 2012 hatte Georgescu die Position des Sonderberichterstatters für Menschenrechte und gefährliche Abfälle des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte inne. Georgescu war zwischen 2013 und 2015 Präsident des European Research Center des Club of Rome in Winterthur. Dieser Quelle zufolge war Georgescu Mitglied des Club of Rome International, allerdings führt ihn die Webseite der Vereinigung derzeit (Dezember 2024) nicht auf. Auf älteren Seiten ist er als Mitglied des Club of Rome verzeichnet. Von 2015 bis 2016 war er als Exekutivdirektor beim privaten United Nations Global Sustainable Index Institute in Genf und Vaduz tätig. Seit 2021 ist er Dozent am Centrul Universitar Pitești der Polytechnischen Universität Bukarest. Im Herbst 2024 beantragte er unbezahlten Urlaub für seine Präsidentschaftskandidatur.

Kandidat für die Präsidentschaftswahl in Rumänien

Georgescu trat als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl in Rumänien 2024 an. Im Wahlkampf war er vor allem bei TikTok aktiv. Im ursprünglich ersten Wahlgang am 24. November 2024 erhielt er überraschend 22,9 Prozent der Stimmen und damit eine relative Mehrheit. Der Verfassungsgerichtshof Rumäniens ordnete jedoch am 6. Dezember 2024 die Wiederholung der Wahl an. Begründet wurde die Annullierung der Wahl damit, dass sie Ziel eines „aggressiven russischen hybriden Angriffs“ geworden sei, von dem Georgescu massiv profitiert habe. So hätten tausende zuvor inaktive Konten vor der Wahl damit begonnen, Georgescus Inhalte auf der Plattform TikTok zu verbreiten. Zudem habe Georgescu falsche Angaben bezüglich der Finanzierung seines Wahlkampfes gemacht. Ein TikTok-Account hatte in einem Monat über 350.000 Euro an Influencer bezahlt.

Am 16. Dezember 2024 beantragte Georgescu beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einstweilige Maßnahmen (interim measures) gegen die Annullierung seiner Wahl durch den rumänischen Verfassungsgerichtshof und berief sich auf das Recht auf ein faires Verfahren aus Art. 6 der EMRK, die Rechtsschutzgarantie in Art. 13 EMRK und das Recht auf freie Wahlen aus Art. 3 des ersten Zusatzprotokolls zur EMRK. Der Gerichtshof wies seinen Antrag am 21. Januar 2025 jedoch einstimmig zurück, da durch die Annullierung der Wahl und Anordnung ihrer Wiederholung kein irreparabler Schaden für die betroffenen Rechte zu befürchten sei. Am 26. Februar 2025 wurde Georgescu von der Polizei wegen des Verdachts der Anstiftung zu Handlungen gegen die verfassungsmäßige Ordnung, falscher Angaben zu den Finanzierungsquellen seines Wahlkampfs und Förderung faschistischen Gedankenguts vorübergehend festgenommen. Er wurde nach einem mehrstündigen Verhör unter Auflagen wieder freigelassen. Am 9. März 2025 erklärte die rumänische Wahlrechtskommission die Kandidatur von Georgescu zur Wiederholungswahl für ungültig. Der Verfassungsgerichtshof von Rumänien bestätigte am 11. März 2025 die Entscheidung der Wahlrechtskommission nach einem Einspruch Georgescus. Georgescus Kandidatur erfülle die Bedingungen der Rechtmäßigkeit nicht.

Politische Einordnung

Die Bundeszentrale für politische Bildung bezeichnet Georgescu als rechtsextrem und prorussisch. Laut Spiegel vertrat er im Wahlkampf antiwestliche Positionen und verehrte die rumänischen Faschisten von vor 1945. Laut Michael Martens von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe Georgescu im Wahlkampf „groteske Verschwörungstheorien“ verbreitet.

Laut BBC ähneln seine Gesundheitsvorstellungen denen des Impfgegners Robert F. Kennedy Jr. Laut Der Standard benutzt er Versatzstücke der neofaschistischen Bewegung und hat den Faschisten Corneliu Zelea Codreanu zu seinem Helden erklärt. Georgescu verneinte diesen Extremismusvorwurf.

Weblinks

  • Călin Georgescu bei IMDb

Einzelnachweise


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